Chanel

Chanel

Diese kleine Lady zog Ende März bei uns ein.
Die Finder bemerkten ein kreiselndes, ständig umkippendes Jungtier am Straßenrand. In der Nähe befand sich ein weiteres, sichtlich aufgeregtes adultes Hörnchen. (Wahrscheinlich seine Mutter.) Wir stellten zusätzlich eine leichte Kopfschiefhaltung fest. Die Tierfreunde nahmen es mit ins Haus, riefen mich an und ich bat sie so schnell wie möglich einen Tierarzt zu konsultieren. Am nächsten Tag kam Chanel zu uns.
Sie war knapp 9 Wochen alt, wog nur 134 g und war Haut und Knochen, was aber durch das sehr dichte, plüschige Fell nicht so wirkte.
Wir wissen nicht, ob ein Sturz oder eine Kollision mit einem Auto Ursache dieser neurologischen Störungen ist. Chanel bekam eine einmalige Gabe Kortison, erhielt täglich ein paar Tropfen Vitamin B-Komplex, Panacur, und 5 Tage lang Chloromycetin-Palmitat. (Gehirngängiges AB.) Sie steckte diese Behandlung gut weg, bekam aber vorsichtshalber bene-bac zur Unterstützung der Darmflora.

Chanel war jedoch kein Fall zum euthanasieren, da sie selbstständig fraß und trank, mit Eisbär „Knut“ und mir herumblödelte, sich putzen konnte und kurze Zeit später anfing die ersten Kletterversuche zu unternehmen.
 

Sie zeigte ein ganz normales Spielverhalten und Eisbär Knut hatte es ihr besonders angetan.

Chanel blödelt mit Knut

Es dauert die erste Zeit immer ein wenig, bis sie die Balance gefunden und sich stablilisiert hatte, aber es gelang ihr von mal zu mal besser. Sie sitzt  immer ein wenig schief.

In einer “Hau-Ruck-Aktion”hatten wir ihr innerhalb eines Tages einen großen Käfig gebaut, da der Mäusekäfig schnell zu klein wurde, Chanel aber aufgrund ihres Handicaps (noch) nicht in die 2 m hohe Innenvoliere ziehen konnte. (Sturzgefahr)
Das neue Domizil bauten wir extra nur 85 cm hoch, aber 1,20 m breit und 80 cm tief. Durch die geringe Höhe wurde die Verletzungsgefahr bei missglückten Kletterversuchen reduziert. Wenn sie kreiselte, (was da schon nicht mehr so häufig wie am Anfang vorkam), stieß sie nicht so schnell am Käfigrand an. Den Versuch, die Käfigränder zu polstern, gaben wir schnell auf, da Chanel ständig an den Tüchern herum zerrte und sie durch den Käfig schleifte.
Ein paar Tage später begann sie bereits am Gitter hoch zu klettern. Anfangs fiel sie häufig herunter, aber innerhalb kurzer Zeit lernte sie, dass man auch wieder herunter klettern kann.
Allerdings sahen wir sie nicht einmal auf den Ästen klettern.. (Den Draht kann sie umgreifen, bei Ästen geht das nicht.)

Und wieder muss Knut dran glauben

Die Symptome hatten sich innerhalb zwei Wochen schon deutlich verringert, aber eine Auswilderung war nach derzeitigem Stand der Dinge nicht möglich. Ebensowar eine eine Unterbringung im Gehege die ersten Wochen noch ausgeschlossen, da wir befürchteten, dass sie dort aus großer Höhe leicht abstürzen könnte.
Motorik und Koordination reichten (noch) nicht aus.

Eine Woche später wagten wir den Versuch Chanel zu Heinrich in die Innenvoliere zu setzen, da ihre Probleme sich so deutlich verringert hatten. Sie kreiselte nur noch hin und wieder, kippte nicht mehr um und sprang kurze Höhen (auf Häuschen o. Wurzel) bereits zielgerichtet.
Zuvor hatten wir weiche Mikrofaser-Handtücher quer gespannt..
Wir waren gespannt, wie Chanel mit der neuen Situation umgehen würde.
Es zeigte sich, dass unsere Sorge unbegründet war. Chanel war happy. Zweimal fiel sie in das weiche Handtuch, dann spielte sie mit Heinrich. 

Heinrich’s Häuschen hatte es ihr sofort angetan. Beide verbrachten die nächsten Tage gemeinsam in der Voliere und schliefen zusammen im Häuschen

Als Heinrich in das Auswilderungsgehege umzog, hatte sie Kontakt zu Felix, Loriot und Gustav.

Am 21.4. machten wir die untere Tür der Innenvoliere auf und Chanel nutzte die Gelegenheit um den Wintergarten zu inspizieren. Hier zeigte sich jedoch (noch), dass sie Probleme hat.
Nach 10 Minuten baute sie ab und fing an zu kreiseln.
Dennoch ließen wir sie weiterhin kurz raus und steigerten langsam die Zeiten, da wir der Meinung waren, dass ihr zusätzliche Aktivitäten gut tun und sie “gefordert” werden muss. Falsch kann unsere Vorgehensweise nicht gewesen sein, da Chanel bisher kontinuierlich Fortschritte gemacht hatte.